Milletich läuft sein Hase um die Ohren


"Ich spalte das Präsidium nicht. Das tun schon die anderen. Ich habe kein Interesse an einer Spaltung." So sprach's ÖFB-Präsident Gerhard Milletich im jüngsten Kurier-Interview, angesprochen auf die ihm vorgeworfene Spaltung der Beletage des ÖFB. In dieser Aussage wird vor allem eines deutlich: Hier werden offenbar Schuldige gesucht, anstatt einen konstruktiven Prozess zum Wohle des heimischen Kicks voranzutreiben. Konstruktiv wäre beispielsweise, eine Einheit oder wenigstens ein Miteinander im Präsidium zu schaffen. Die Aussagen des ÖFB-Obersten lassen bisher erkennen, dass er auch daran nicht interessiert scheint. 

 

Milletich verhält sich nicht wie ein Präsident. Es ist, als ob man sagt: "Denke nicht an einen rosa Elefanten". Hoch die Hände, wer nun keinen solchen im Kopf hat. Wer über Spaltung spricht, der fördert sie, verankert sie in den Köpfen. Anstatt intern Gräben zuzuschütten, schaufelt Milletich auf diese Weise öffentlich noch weitere aus. Es fehlt ihm an der Fähigkeit zu moderieren, sämtliche Konflikte werden öffentlich ausgetragen, anstatt das Ego zurückzunehmen und dem Gegenüber zuzuhören. Wer einmal auf professioneller Ebene im Team gearbeitet hat weiß, dass es nur über Wertschätzung, Respekt, Zuhören und anschließender Reflexion gehen kann. Und das nicht, obwohl man sein Gegenüber nicht riechen kann, sondern gerade deswegen. Zuhören heißt verstehen. Und da fängt oftmals das Missverständnis an: Verstehen bezieht sich auf ebendies. Das Gesagte des Anderen so wahrzunehmen, wie dieser es auch gemeint hat. Das Verhalten des Gegenübers zu durchblicken und nicht, es gut zu finden. Denn genau das wird in jenem Milieu oftmals verwechselt. Man vermisst im ÖFB auch das Bemühen darum. Der Präsident sollte als kommunikatives Vorbild vorangehen, macht dabei aber sei seinem Amtsantritt im Oktober eine mehr als unglückliche Figur.

 

Hier sei festgehalten: Nicht nur Milletich verhält sich so, auch alle anderen aus der ÖFB-Führung, die sich bisher zu Wort gemeldet haben, zeigen ähnliches Auftreten. Aber Milletich ist es, der dieses Problem moderieren muss.

 

Freund und Feind

In den jüngsten Wortspenden der ÖFB-Bosse zeigt sich das, was bei Franco Foda's Abschiedsrede so deutlich wurde: Verhalten und Aussagen werden persönlich genommen (und sind vielfach wohl auch so gemeint). Auch bei Milletich, der dem Kurier sagte: "Ich bin nicht dafür da, meine Präsidiumskollegen glücklich zu machen, sondern mir geht es darum, dass ich für den ÖFB das Beste heraushole." Die Befindlichkeiten anderer Präsidenten seien "zweitrangig". Sind sie wohl eben nicht. Er wird in seiner Funktion damit umgehen müssen, dass seine Präsidiumskollegen nun mal sind, wie sie sind. Und dazu gehört auch deren herausfordernde Persönlichkeit. Diese wird er wohl oder übel bei seinem künftigen Vorgehen berücksichtigen müssen. Milletich wirkt, als handle er nach dem Motto: "Wer nicht mein Freund ist, der ist mein Feind". Das schließt jedoch die Möglichkeit eines konstruktiven Weiterkommens regelrecht aus. Der Burgenländer zieht sein Ding durch, was grundsätzlich positiv zu bewerten wäre. Nur wenn man dabei sämtliche Umstände negiert, droht man -  so zeigt es die Geschichte - damit gegen eine Wand zu fahren.

 

Peter Schöttel kann einem wahrlich leidtun. Auch wenn man kein Fan seiner Arbeit ist, das hat der trotz ihm vorgeworfener fachlicher Mängel stets sympathische und korrekte Wiener nicht verdient. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aus dem ÖFB, dass versucht werde, auf Schöttel Einfluss hinsichtlich der Teamchefsuche zu nehmen. Bestätigen lassen sich diese Gerüchte bisher nicht, ins Bild würden sie allemal passen. Schon länger wirkt es, als ob in der ÖFB-Führung die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut. Und als ob mancher dort genau das will. Sieht man sich die nämlich aktuelle Diskussion an, fällt auf, dass sich der Fokus völlig verschoben hat. War nach dem Abgang von Franco Foda noch von etwaigen Nachfolgekandidaten die Rede, ist es um diese mittlerweile ziemlich still geworden. Es stehen (einmal mehr) die Landespräsidenten im Mittelpunkt. Er wisse, wie der Hase läuft, meinte Milletich einst bei seinem Einstand. Im Moment wirkt es eher so, als laufe ihm dieser um die Ohren.

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