Ralf Rangnick: Einen Bessern findst du nicht


Ralf Rangnick ist ÖFB-Teamchef. Diese Zeilen zu schreiben, wäre vor ein paar Tagen noch völlig undenkbar gewesen. Schopp, Stöger, Herzog - diese drei Namen kursierten zu Beginn der Teamchefsuche durch den Blätterwald, vor kurzem kam mit Vladimir Petkovic auch noch ein Schweizer Ex-Teamchef dazu. Die Personalie Rangnick war zwar anfangs kurz Thema, als Sportdirektor Peter Schöttel nach England reiste. Unmittelbar kamen Gerüchte auf, er habe sich dort mit Rangnick getroffen, was vom ÖFB umgehend mit vehementem Unterton dementiert wurde. Aus heutiger Sicht wirkt es so, dass dies wohl zu jenem Zeitpunkt auch gestimmt hat. Ein Teamchef "Ralle" war hier wohl auch für den Verband selbst noch undenkbar, wenngleich Schöttel zugab, ihn im Hinterkopf gehabt zu haben - eher jedoch als jenen Mann, der mit seiner Expertise bei der Kür des Foda-Nachfolgers helfen könnte.

 

Die Möglichkeit, Rangnick tatsächlich als neuen Übungsleiter des Nationalteams zu gewinnen, kristallisierte sich erst in der Endphase von Peter Schöttels "Mission Teamchef" heraus. Danach ging alles ganz schnell, beide Seiten näherten sich rasch an. Die Zeit war so knapp, dass eine Vertragsunterzeichnung noch gar nicht möglich war. Wie Geschäftsführer Bernhard Neuhold bestätigte, habe man vorab deswegen "einen vierseitigen Term-Sheet kreiert, wo sämtliche relevanten Themen in allen Bereichen schriftlich fixiert wurden". Dieser solle dann als Basis für die Ausformulierung der tatsächlichen Arbeitsverträge dienen.

 

"Einen Bessern findst du nicht" heißt ein berühmter Roman von Andreas Engermann. Denn mit Ralf Rangnick hat der ÖFB die beste Wahl getroffen. Mit dem 63-Jährigen holt man sich einen Experten ins Haus, der nicht nur internationales Renommee genießt, sondern zudem jenen Fußball spielen lässt, der dem vorhandenen Spielermaterial angemessen ist. Unmittelbar nach dem Saisonende in der Premier League soll Rangnick seinen neuen Job beim ÖFB antreten. Und die Zeit ist knapp, denn bereits am 3. Juni steht das Nations League-Duell mit Kroatien auf dem Plan. Auf Rangnick wartet bei der Nominierung seines ersten Kaders also bereits eine Herausforderung, hat er doch zuvor kaum Kontakt zu seinen neuen Schützlingen.

 

"Ralle" als "Rutti 2.0"

Der Deutsche gilt als Macher, der die Dinge anpackt und sein Ding durchzieht. Rangnick ist unbequem, direkt und klar in seiner Kommunikation. Gerade diese Komponente wird interessant zu beobachten sein, gilt der ÖFB in seinen Strukturen mehr als nur verstaubt. Nachdem 2017 Willi Ruttensteiner auf Druck der Landespräsidenten seinen Hut nehmen musste, holt man sich nun eine Art "Rutti 2.0" ins Haus. Jemanden, der besagte Strukturen aufbrechen und ein neues, vorwärts gewandtes Konzept etablieren kann. Auf Fans und Medien warten also spannende Wochen und Monate, die zeigen werden, inwieweit sich die Granden im Präsidium zurücknehmen können. Denn eines ist sicher: Lässt man Rangnick gewähren, ihn in Ruhe seine Arbeit tun, stehen die Zeichen auf Erfolg so gut, wie selten zuvor. Österreich verfügt über eine Spielergeneration, welche ein Potenzial in sich birgt, wie es selten zuvor eine tat. Und Rangnick ist jemand, der die Fähigkeiten sowie die Erfahrung hat, dieses gänzlich auszuschöpfen. An nichts weniger wird der Deutsche gemessen werden. Das weiß er selbst und wer Rangnick kennt weiß, dass er seine persönliche Messlatte ähnlich hoch anlegen wird. 

 

Die andere Seite: Spuckt man dem Ex-Red Bull-Macher in die Suppe, kann der Spaß auch schnell wieder vorbei sein. Die Aufgabe von ÖFB-Präsident Gerhard Milletich und Sportdirektor Peter Schöttel wird es sein, im Führungsgremium des Verbandes zu moderieren, Einflüsse auf Rangnick zurückzuhalten und für Ruhe zu sorgen. 

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