Wacker Innsbruck: Schmalspurbahn zum Glück?


"Das Geld wird fließen!" Derlei Durchhalteparolen hört man in Tirols Landeshauptstadt derzeit zuhauf. Der Tiroler Traditionsverein Wacker Innsbruck ist in gewaltiger Schieflage, wenig verwunderlich wurde die Lizenz für die Bundesliga, wie auch für die 2. Liga erstinstanzlich verwehrt. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge stehen die Grün-Schwarzen unmittelbar vor dem Konkurs, wenn kein Geld fließt. Dieses sollte eigentlich von Investor Thomas Kienle, nach Matthias Siems und Mikhail Ponomarev der dritte in kurzer Zeit, kommen. Der Innsbrucker Argumentation zufolge verweigert eine deutsche Bank jedoch die Freigabe für die avisierten drei Millionen Euro.

 

Zahlreiche Namen potenzieller Retter wanderten bereits durch die Gerüchteküche. Von einem geheimen Wiener Geldgeber, über ein Konsortium ausgehend von Skisprung-Rekordler Gregor Schlierenzauer bis hin zu einer deutschen Investorengruppe reichte das Gemunkel. Eine Lösung gab es bisher nicht. Zumindest hat der Club am Donnerstag fristgerecht Protest gegen die Nichterteilung der Lizenz eingelegt. Der sogenannte "Plan C" soll den angeschlagenen Club retten, nachdem die Pläne "A" (Finanzierung durch Investor Kienle) und Plan "B" (deutsche Investorengruppe) vorerst scheiterten. 

 

Besagter "Plan C" beinhaltet ein Schmalspurbudget, mit Einsparungen bei Mitarbeitern, Struktur und vor allem dem Spielerkader. Dieser soll, so ist es aus dem Tiroler Umfeld zu vernehmen, zahlreiche Amateurspieler beinhalten, die um einen Erhalt im Profifußball kämpfen sollen. Klingt nach einem schier aussichtslosen Unterfangen, wenngleich die Zeit für diesbezügliche Schlüsse noch nicht reif ist. Dennoch: Sehen die meisten Experten, Kritiker und Kommentatoren hier hauptsächlich das Negative, ist dem Schlamassel durchaus auch etwas Positives abzugewinnen.

 

Zum "Gesundschrumpfen" gezwungen

Denn wie so oft könnte weniger mehr sein. In den vergangenen Jahren, speziell seit dem Abstieg aus der Bundesliga 2019, verlor man sich zu oft in der Fantasie, das Aushängeschild des Tiroler Fußballs zu sein. Emotional mag dies nach wie vor für viele Fans so sein, sportlich betrachtet wurde man jedoch spätestens mit dem zeitgleichen Aufstieg der WSG Wattens in die Bundesliga überflügelt. Also back to the roots? Es würde dem Nachfolgeclub des FC Tirol jedenfalls gut anstehen. Mit dem Schritt hin zum "Tiroler Weg" in der Führungsriege hat man hier bereits einen nennenswerten Schritt gesetzt. Tiroler Weg? Mit der Trennung von "Zwischeninvestor" Ponomarev ging auch eine Umstrukturierung des Vorstands einher. Mit Kevin Radi und Bernhard Dornauer wurden zwei Einheimische in den Vorstand kooptiert, bis auf Thomas Kerle waren sämtliche Vorgänger davor zurückgetreten. Radi dient dabei als Sprachrohr nach außen und gibt sich seit Amtsantritt betont optimistisch. Gebetsmühlenartig betont er, wie überzeugt er von einer hoffnungsvollen Zukunft für seinen Verein überzeugt ist.

 

Nach Einreichung der Protestunterlagen und dem darin skizzierten "Plan C" steht diese Zukunft allerdings mehr denn je infrage. Und birgt gleichzeitig eine große Chance. Natürlich bleibt abzuwarten, wie das Protestkomitee entscheidet und auch danach steht den Innsbruckern noch der Gang zum ständig neutralen Schiedsgericht offen. Sollte der Bescheid in einer der beiden Instanzen positiv ausfallen, geht der Überlebenskampf erst richtig los. Auf die Verantwortlichen warten herausfordernde Wochen und Monate. Doch genau jener Überlebenskampf könnte zum Trumpf für den FC Wacker werden.

 

Er bietet die Gelegenheit sich, nun geführt von jungen Tirolern, sich seiner Werte und seiner Identität wiederzubesinnen. Sich wieder klar zu werden, wofür der FC Wacker steht und welche Werte er vertritt. Es wirkt, als habe man sich in den turbulenten letzten Jahren auf dem Weg verloren. Die Umstände könnten den Club zu einem "Gesundschrumpfen" zwingen. Und so auch das Umfeld zurück ins Boot holen, denn der Überlebenskampf könnte zum einenden Ziel und Klebstoff zwischen Verein und Fans werden. Durch dieses gemeinsame, verbindende Ziel könnte neues Momentum entstehen und wir wissen nicht erst seit Austria Salzburg, welche Kräfte so etwas freisetzen kann. Freilich: Auch dort wollte man schließlich zu viel, hat sich übernommen. Abseits davon hat es jedoch gezeigt, welcher "Flow" hierbei entstehen kann.

 

So könnten die misslichen Umstände und die Verknappung der Ressourcen vielleicht zu einem Geschenk werden und auf einen neuen, zuvor nicht erkannten Weg führen. Eine Schmalspurbahnfahrt  - nach "Fahrplan C" - mit Happy End. Es wäre den leidgeprüften Innsbrucker Fans zu wünschen.

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