Oida Foda! Ein Abschiedskommentar


"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen." Dieses berühmte Zitat stammt vom früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Die hohen Herren des ÖFB sollten es sich zu Herzen nehmen. Auch sie sollten sich Hilfe hinsichtlich Visionen und Zukunftsfantasien suchen. Aber vielmehr, weil sie keine haben. Es ist frappierend. Die anhaltende Visionslosigkeit lässt einen als Fan in ungläubigem Staunen zurück. Wohin soll dieser Weg noch führen, da man doch  - so ist es den Aussagen von Präsident Gerhard Milletich zu entnehmen - scheinbar ernsthaft überlegt, den Vertrag mit dem letztlich belegbar erfolglosen Teamchef Franco Foda zu verlängern. 

 

Dafür gibt es jedoch kaum noch Argumente. Foda konnte, ohne es jetzt groß nochmals durchkauen zu wollen, keines seiner Spiele gegen einen Gegner, welcher in der Weltrangliste vor dem ÖFB-Team klassiert ist, gewinnen. Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen: Aber einen Marcel Koller hätte man bei einer solchen Statistik mit ebendiesem Argument wohl längst entlassen. Foda hat bei den ÖFB-Bossen einen Stein im Brett. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Angefangen bei den (im Vergleich zu Koller) doch recht überschaubaren Kosten, über die "Verhaberung" unter den Verantwortlichen bis hin zu deren schlicht fehlender Expertise. Abgesehen davon schickte der deutsche Defensivapostel sein Team häufig erschreckend planlos aufs Feld. Freilich: Die Spieler, welche allesamt bei zumindest respektablen nationalen oder internationalen Clubs spielen, haben ebenso ihren Anteil am häufigen Scheitern. Nur unter dem Strich muss man sagen: Individuelle Klasse alleine reicht letztlich nicht, wenn das Team in ein (noch dazu lückenhaftes) inadäquates Konzept gepresst wird. Eine ernsthafte spielerische Weiterentwicklung fand letztlich nicht statt. Ein stringentes Grundkonzept war kaum erkennbar.

 

Salzburg-Mentalität trifft auf deutsche Sturheit

Das heimische Nationalteam lebt letztlich von der Philosophie, wie sie in Salzburg demonstriert wird. Nicht weniger als 32 Prozent der in den letzten beiden Jahren einberufenen Spieler wurden entweder bei den Bullen ausgebildet oder standen dort zumindest eine Saison unter Vertrag. Der Kader ist durchdrungen von Spielern, welche ein hohes Pressing bevorzugen, weil es ihnen in ihren Clubs geradezu "eingebläut" wurde - nicht nur, aber vor allem in Salzburg. Fraglos muss man Foda zugutehalten, dass er dazugelernt und das Team im Laufe seiner Amtszeit immer mutiger hat auftreten hat lassen. Allerdings erst, als dem Teamchef das Wasser bis zum Hals stand und (wie der geschätzte Kollege Gerald Gossmann für "Profil" berichtete) die Spieler intervenierten und selbst ins taktische Konzept eingriffen. Beinahe legendär ist mittlerweile der im Spiel gegen die Färöer Inseln (!) vor fast exakt einem Jahr live im Fernsehen zu hörende Foda-Sager "Andi, warum?". Damals pfiff Foda den hoch anpressenden Andi Ulmer forsch zurück. Natürlich ist das sein gutes Recht als Übungsleiter. Es spiegelt aber hervorragend das Missverhältnis zwischen Trainertypus und Spielermaterial wider. Man könnte sagen: ÖFB in a Nutshell. Letztlich zeigt sich bei Foda jenes Muster, welches man von den Landespräsidenten nur zu gut kennt: Veränderung ja, aber nur wenn es unbedingt sein muss. Wenn der Leidensdruck hoch genug ist und es kaum noch andere Möglichkeiten gibt. Gleich und gleich gesellt sich gern. Nachhaltigkeit, Struktur und Planbarkeit geht anders.

 

Probier's mal (nicht) mit Gemütlichkeit

Jedem halbwegs informierten rot-weiß-roten Fußballfan wird klar sein, dass - so richtig und wichtig eine grundlegende Veränderung auch wäre - diese wohl nicht stattfinden wird. Zu bequem ist es auf den Thronsesseln der Landesfürsten, zu groß der Hunger, die Freude an der Macht. Schon jetzt ist absehbar, dass wohl Peter Schöttel der Sündenbock sein wird. Leid muss einem der Ex-Rapidler jedoch nicht tun. Nur zu willig hat er sich vor fünf Jahren bereiterklärt, den aufgrund einer mehr als undurchsichtigen Abbestellung Willi Ruttensteiners frei gewordenen Platz als ÖFB-Sportdirektor zu übernehmen. Nach einem konzeptbefreiten Hearing vor konzept- und ideenbefreiten Entscheidern. Wer's mit Pop-Shootingstar Chris Steger hält, wird sagen: "Leicht kennt mas' hom!". Haben wir es aber nicht. Oder eigentlich schon: Denn es wird sich nicht viel ändern in der Beletage des ÖFB. Deshalb könnte man sich zurücklehnen und den Dingen ihren Lauf lassen, ohne sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Doch diese Rolle steht uns nicht zu, die Landesfürsten haben sie bereits inne. Wollen wir hoffen, dass sie damit dieses Mal etwas weniger Schaden anrichten als sonst. Die Probleme sind so offensichtlich, dass sie einem Himmelschrei gleichkommen. Meine Herren Landespräsidenten: Tun sie was, anstatt nichts zu tun. Es ist Zeit für ein Ende der Ära Foda, höchste Zeit. Zumindest dessen, denn dass auch in den Ebenen darüber eine Fundamentalveränderung her muss, ist Fans offenkundig. Das sollten auch jene Entscheider (an)erkennen, deren Horizont, so scheint es, nur bis zur eigenen Landesgrenze reicht.

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Kommentare: 1
  • #1

    AK (Freitag, 25 März 2022 14:38)

    Schöne Zusammenfassung einer unschönen Situation