Wie Janeschitz den ÖFB wieder auf Kurs bringen könnte


Kommt es zum Doppelumbruch im ÖFB? Nachdem der schwer angezählte Teamchef Franco Foda bei erneut schwacher Performance in den kommenden Länderspielen nicht zu halten sein wird, stellt Neo-Präsident Gerhard Milletich offenbar auch Sportdirektor Peter Schöttel in Frage. Der Burgenländer hat jüngst Kontakt zu Ex-ÖFB-Coach Thomas Janeschitz aufgenommen, wie er gegenüber dem Kurier bestätigte. Zeit, sich den möglichen Schöttel-Nachfolger genauer anzusehen.

 

Zuletzt werkte Janeschitz bis Sommer 2020 als Co-Trainer des FC Basel. Sein Chef damals: Marcel Koller. Gemeinsam mit dem Schweizer stand Janeschitz von 2011 bis 2018 an der Seitenlinie des Nationalteams. Insgesamt war der 55-Jährige elf Jahre in diversen Funktionen beim ÖFB beschäftigt. Nun soll also eine Rückkehr im Raum stehen. Doch wäre Janeschitz für den Job als Sportdirektor geeignet? Wofür steht der studierte Mathematiker? Welche Entwicklungen könnte er anstoßen?

 

Vor mittlerweile vier Jahren verließ Thomas Janeschitz den ÖFB. Offenbar nicht ganz im Frieden: Kurz vor seinem Abschied meinte er gegenüber Laola1: "Ich habe diese Entscheidung getroffen, um meinen Werten gerecht zu bleiben. Daher bin ich zum Entschluss gekommen, dass es zum jetzigen Zeitpunkt die beste Entscheidung für mich ist." Es sei so gewesen, dass die Entwicklungen "der letzten sechs bis acht Monate dazu beigetragen haben, dass ich mir gedacht habe: Es ist an der Zeit, diesen Schritt zu setzen", führte er weiter aus. Eine konkrete Begründung blieb er schuldig. Das spricht für ihn: War es in der Vergangenheit (Stichwort: Landespräsidenten) durchaus nicht unüblich, sich öffentlich anzupatzen, blieb der gebürtige Wiener respektvoll und schilderte die Umstände in seinen Worten und im Rahmen seiner persönlichen Sphäre, ohne dabei Schuldige im Außen zu suchen. Das kennt man vom ÖFB, speziell in den letzten Jahren, durchaus anders.

 

Janeschitz zeigt Format, das dem ÖFB bisweilen fehlt

Janeschitz gilt als jemand, der stets Haltung bewahrt und versucht, sein Gegenüber auf Augenhöhe wahrzunehmen. Janeschitz hat Stil, wirkt reflektiert und hat eine klare Vorstellung von Fußball, die er durchziehen möchte. Dass der frühere Nachwuchsteamchef tatsächlich fachliche Expertise einbringen und eine inhaltliche Linie implementieren könnte, zeigt sich anhand zahlreicher Merkmale. Ganz Mathematiker, wirkt Janeschitz in seiner Herangehensweise nüchtern, beinahe schon distanziert. Er hält und orientiert sich gerne an Fakten. "Für mich ist ein wichtiger Aspekt, dass es im Fußball hauptsächlich um Ergebnisse geht und daher die tatsächliche Leistung oft nicht korrekt beurteilt wird. Schon zu Zeiten der "Heldenverehrung" wussten wir, dass das völlig überhöht wurde", meinte Janeschitz einst angesprochen auf die Erfolge des Nationalteams in seiner Ära als Koller-Assistent. Er weiß Entwicklungen richtig einzuschätzen und weiß, wo seine Grenzen sind - etwas, das in unserer Gesellschaft bisweilen als eher negativ konnotiert galt, jedoch viel Positives in sich trägt. Wer weiß, was er kann, was einem liegt und worin man gut ist, der hat bereits vieles gewonnen. Wer seine Potenziale kennt und diese auszuschöpfen vermag, geht mit einem authentischen Auftreten und wohlwollender Selbstsicherheit an seine Aufgaben heran. Kurzum: Janeschitz ist einer, der weiß, was er kann - und der nichts anfangen würde, dem er sich nicht gewachsen fühlt. Seine Nüchternheit, sein faktenbasierter Zugang und seine selbstsichere Persönlichkeit bergen gleich mehrere Eigenschaften in sich, die dem ÖFB in diesen stürmischen Zeiten sicherlich guttun würden.

 

Lässt sich Janeschitz auch"etwas einreden"?

Die große Frage bleibt jedoch: Inwiefern lässt sich Janeschitz von den "Landesfürsten" beeinflussen. Dass den Rechtsanwälten, Bürgermeistern und Geschäftsleuten im ÖFB-Präsidium dieser Einfluss von großer Wichtigkeit ist, kann aufgrund der vergangenen Jahre kaum bestritten werden. Dies zeigte sich nicht zuletzt in der Bestellung des aktuellen Sportdirektors Peter Schöttel. Angesprochen auf die Unterschiede zwischen ihm und Vorgänger Willi Ruttensteiner, meinte Niederösterreichs Landespräsident Johann Gartner gegenüber dem Profil: "„Der Willi hat den ÖFB wie ein Unternehmen geführt. Der Schöttel lässt sich auch etwas einreden." Ein Schelm, wer hier Böses denkt. Ob dem auch unter einem Sportdirektor Janeschitz so wäre, kann am Ende wohl nur die Zeit zeigen. 

 

Unter dem Strich bringt Janeschitz, der studierte Magister in Mathematik und Leibesübungen, zahlreiche Fähigkeiten und Erfahrungen mit, die ihn durchwegs für den Job als ÖFB-Sportdirektor qualifizieren. Sein Know-How, sein Zugang zum Sport und wie er Fußball denkt, könnten das Nationalteam wieder in ruhigere Fahrwasser bringen. Janeschitz ist zudem voll und ganz zuzutrauen, einen Teamchef vorzuschlagen, der zu den Stärken dieser hoch veranlagten Spielergeneration passt und das nötige Profil mitbringt. Die Teamchefentscheidung steht und fällt jedoch mit dem ÖFB-Präsidium. Es ist ganz und gar nicht auszuschließen, dass hier erneut faule Kompromisse eingegangen werden. Wie jeder andere vor ihm auch würde Janeschitz an seinen Erfolgen gemessen. Es wäre schade, wenn eine objektive Bewertung seiner Arbeit von unsachlichen Entscheidungen durch Personen aus dem Amateurfußball beeinflusst würde.

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Kommentare: 1
  • #1

    AK (Donnerstag, 11 November 2021 08:49)

    Sehr interessanter Beitrag