Stieg den LASK-Bossen der Ruhm zu Kopf?

Bild: Pixabay/jorono


Die Vorfälle rund um den LASK reißen nicht ab. Die Linzer Athletiker, nach der Übernahme durch die "Freunde des LASK" im Jahr 2013 aus der Versenkung geholt, drohen wieder in selbiger zu verschwinden. Das einst so hoffnungsvoll wie erfolgreich geführte Projekt hat in den letzten eineinhalb Jahren massiv Schiffbruch erlitten. Zahlreiche Kontroversen säumen den Weg: Begonnen hat alles mit einem illegalen "Corona-Training" im Mai 2020. Seither häufen sich die Problemfelder eines Clubs, der vor nicht allzu langer Zeit als schärfster Kontrahent der Salzburger Bullen galt. Nun findet man sich am Tabellenende und somit auf dem Boden der Tatsachen wieder. In der Rückschau drängt sich bei vielen Beobachtern die Frage auf: Ist der Führungsriege des LASK der schnelle Ruhm zu Kopf gestiegen? Eine Chronologie der Ereignisse.

 

Just zu Weihnachten 2013 übernahmen die "Freunde des LASK" bei der Generalversammlung die Macht im Verein. An deren Spitze stand ein Trio, damals bestehend aus dem Medienunternehmer Wolf-Dieter Holzhey, dem nunmehrigen Vereinsoberhaupt Siegmund Gruber sowie Werbefachmann Clemens Strobl. Sie kauften die Markenrechte von Langzeitpräsident Peter-Michael Reichel und taten das, was dieser 13 Jahre zuvor tat: Sie übernahmen Verbindlichkeiten des hoch verschuldeten Clubs und retteten ihn so vor dem Aus. Holzhey fungierte dabei als Präsident, Gruber und Strobl als seine Stellvertreter. Der LASK spielte damals nur noch in der Regionalliga, da dem Verein aus finanziellen Gründen im Jahr 2012 die Lizenz für die zweithöchste Spielklasse (damals "Erste Liga") verwehrt wurde. Peter-Michael Reichel war zu jenem Zeitpunkt bereits ein tiefrotes Tuch bei den Fans. "Reichel raus"-Rufe waren bei so gut wie jedem Heimspiel zu hören. Dann folgte die Übernahme und Hoffnung keimte auf. 

 

Neo-Führung ließ Fans wieder träumen

Das neue Konzept ging auf: Gleich im Jahr eins nach Reichel gelang der Wiederaufstieg in die Zweitklassigkeit. Nach dem geglückten Comeback im Profifußball ging Neo-Präsident Holzhey auch schon wieder von Bord. "Mir war das einfach zu viel", gab der Geschäftsmann berufliche Gründe gegenüber dem ballesterer an. Vizepräsident Strobl hatte bereits kurz zuvor seinen Rücktritt bekannt gegeben. So war es an Gruber, das entstandene Vakuum zu füllen. Was sich später rächen sollte, zeigte sich damals bereits zum ersten Mal: Man wollte viel und das schnell. Aufstiegstrainer Karl Daxbacher sollte mit einer neu formierten Truppe (15 Ab- und 17 Zugänge) den Durchmarsch realisieren. Der Versuch misslang, Daxbacher wurde entlassen. Seinen Nachfolger Martin Hiden hielt es nicht einmal zwei Monate auf der Linzer Trainerbank, ehe auch er gehen musste. Doch die Stahlstädter lernten aus ihren Fehlern. Ein konkretes sportliches Konzept wurde entworfen, der von Bundesligist Ried verpflichtete Oliver Glasner sollte es umsetzen. In der ersten Saison unter dem Neo-Coach verpasste man den Sprung in die Bundesliga noch knapp, in Jahr zwei gelang dieser souverän mit 17 Punkten Vorsprung auf "Verfolger" Liefering. Ein schier nicht enden wollender Höhenflug begann: In der Premierensaison im Oberhaus (2017/18) klassierte man sich auf Rang vier und schaffte so umgehend den Sprung ins internationale Geschäft. Im Jahr darauf gelang eine furiose Saison, der LASK hievte sich zur zweiten Kraft hinter Salzburg hoch. Am Ende holte man mit einem Vorsprung von 15 Punkten auf das drittplatzierte Sturm Graz den Vizemeistertitel. 

Quelle: RAUMKUNST ZT GmbH
Quelle: RAUMKUNST ZT GmbH

Das blieb natürlich nicht unbemerkt: Erfolgstrainer Oliver Glasner wurde durch den VfL Wolfsburg losgeeist. Ein herber Verlust für die Athletiker, zudem verließen mit Joao Victor und Max Ullmann zwei wichtige Stützen den Verein. Doch auch unter dem neuen Übungsleiter Valerien Ismael surfte der LASK weiter auf der Erfolgswelle. Wer den "Freunden des LASK" nach diesem Triumphzug ein Denkmal setzten wollte, kam zu spät - sie taten dies schon selbst: Die Linzer Gugl wir abgerissen, auf dem Areal wird die neue "Raiffeisen-Arena" für 20.000 Besucher entstehen. Ab der Saison 2022/23 sollte der Ball im neuen Stadion rollen. Doch es sollte anders kommen, wie sich im weiteren Verlauf dieser Geschichte zeigen wird.

 

Auch international sorgte man für Aufsehen: In der Europa League marschierte man in beeindruckender Manier durch die Gruppenphase und schaltete anschließend AZ Alkmaar aus. Der LASK versetzte Fußball-Österreich damals noch in ungläubiges Staunen. Doch wer so erfolgreich ist (und derlei Phasen erstmals durchlebt) läuft Gefahr, bewusst oder unbewusst die Bodenhaftung zu verlieren, zu viel zu wollen. Eine Pandemie, deren Ende nicht abschätzbar ist, tut da ihr Übriges. In der Phase des größten Triumphs machte sie dem neuen Spitzenclub einen Strich durch die Rechnung. Im März 2020 stand die Welt plötzlich still und so auch der Sport. Im Achtelfinale der Europa League sollte der LASK auf der ausverkauften Gugl auf Manchester United treffen. Doch daraus wurde nichts: Die letzte Partie vor dem Lockdown wurde zum Geisterspiel, die Linzer unterlagen mit 0:5. Rückblickend kann dieses Spiel als symbolische Kehrtwende hinein in eine Abwärtsspirale betrachtet werden.

 

Die Talfahrt beginnt

Gruber gab sich ob der angeordneten Geisteratmosphäre gefrustet, sagte ein Ausschluss der Öffentlichkeit sei nicht notwendig gewesen und beklagte den Entgang von einer Million Euro an Zuschauereinnahmen. „In Leipzig ist gestern vor 42.000 Leuten gespielt worden, in Frankfurt wird noch vor Publikum gegen Basel gespielt“, so der Präsident damals. Wenngleich zu jener Zeit niemand erahnen konnte, wie weitreichend die Folgen der Pandemie sein würden, warfen sie erstmals in der breiten Öffentlichkeit ein schiefes Licht auf Gruber, der sich wenig später für seine Aussagen entschuldigte. Es war der Auftakt zu einer ganzen Serie an Kontroversen. Für Mai 2020 verhandelten Gesundheitsministerium und Bundesliga eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs aus. Zunächst sollten die Mannschaft in Kleingruppen trainieren dürfen, anschließend wurde auch Mannschaftstraining mit Körperkontakt wieder erlaubt. Stichtag hierfür war der 15. Mai 2020. Einen Tag zuvor wurden der Bundesliga Filmaufnahmen zugespielt, die den LASK beim Training im Vollkontakt zeigen - ein "Sport-Ibiza", wie die es die Kronen Zeitung überspitzt bezeichnete. Die Bundesliga verurteilte den Club zu 75.000 Euro Strafe, zusätzlich wurden den Athletikern zunächst sechs, dann - nach Anrufung des Protestkomitees - vier Punkte abgezogen. Der Impact des Ereignisses spiegelte sich in den Leistungen wider: Am Saisonende reichte es nur zu Rang vier, Trainer Ismael musste gehen.

 

(Keine) Kostenexplosion beim Stadionneubau?

Seither lassen die unschönen Ereignisse den LASK nicht mehr los. Im Februar diesen Jahres veröffentliche das Portal "Linza" den Ausschnitt eines Schreibens, in dem der damalige Vizepräsident und Projektverantwortliche Manfred Zauner eine mögliche Kostenexplosion beim Bau des neuen Stadions anspricht. Von 117 anstatt 60 Millionen Euro ist die Rede. Zauner legte das Großprojekt in die Hände der "FrankPlan Baumanagement GmbH", welche aus nur zwei Personen bestand. Der Verdacht der Freunderlwirtschaft stand im Raum, vom LASK hieß es dazu, dass "die Firma FrankPlan die Abwicklung dieses Projekts niemals bewältigen" könne. Zauner wurde im Zuge der Causa abberufen, musste auch sein Mandat als Vizepräsident abgeben. Seine Anteile an der LASK Marketing GmbH wurden eingezogen. Mit ihm gingen auch Michael Lachinger und Thomas Kern, die ebenfalls Kritik geübt hatten. Die "Freunde des LASK" wurden zunehmend weniger. Hinzu kommt: Die FrankPlan sah sich im Unrecht und klagte wegen "unrechtmäßiger Kündigung", der Ausgang ist offen.

 

Das Projektteam wurde anschließend neu aufgestellt und Bauaufträge neu vergeben, was zu einer Verzögerung des  Bauvorhabens führte. Wie der Standard berichtete, bestätigte ein externes Gutachten die Realkosten bei rund 65 Millionen Euro. Wie Präsident Gruber verlautbarte, könnten diese auf bis zu 85 Millionen anwachsen: "Es war immer das, was wir gesagt hatten - einmal diese 65 Millionen, und alles was wir für einen weiteren Ausbau haben, maximal mit zwischen 15 und 20 Millionen, also in Summe maximal 85“, hielt er im Rahmen des Spatenstichs am 9. Oktober fest. Verantwortliche und Unternehmen wurden ausgetauscht oder entfernt, Aufträge neu vergeben - eine Schiefe Optik jedoch bleibt. 

 

Jürgen Werner bringt LASK in die Bredoullie

Quelle: Screenshot Sky Sport Austria
Quelle: Screenshot Sky Sport Austria

Als sei das Image des LASK nicht schon genug ramponiert, förderte das Magazin News im Mai eine weitere unschöne Story zutage. Vizepräsident Jürgen Werner soll in den vergangenen Jahren mit einem Investment-Unternehmen Transferrechte an rund 40 Spielern des LASK gehalten haben - obwohl dies von der FIFA bereits 2015 verboten wurde. Seither ist es Vereinsfunktionären nicht mehr erlaubt, gleichzeitig auch als Spielervermittler tätig zu sein. Die Bundesliga, als auch die FIFA starteten Ermittlungen - sowohl gegen Werner, der von einer "Medienkampagne" sprach, als auch gegen den LASK. Werner trat am 27. Mai von seinem Amt zurück und wurde mit einer Funktionssperre von 18 Monaten belegt, die im September vom Protestkomitee aufgehoben wurde, da noch zu klären sei, "ob jene Unternehmen, an denen Jürgen Werner parallel zu seiner Funktion beim LASK beteiligt war bzw. bei welchen er eine Funktion innehatte, im relevanten Zeitraum tatsächlich als Spielervermittler im Sinne der einschlägigen Bestimmungen tätig waren", so die Liga. Das Ende der Causa bleibt abzuwarten, für Werner gilt freilich die Unschuldsvermutung. Seinen Kredit in der Öffentlichkeit wie auch im Fußball-Business hat er wohl dennoch verspielt.

 

Das Bundesliga-Verfahren gegen den LASK wurde in der Folge "sowohl mangels Beweisen als auch aus formalen Erwägungen" eingestellt. Davon unberührt bleiben jedoch die Untersuchungen der FIFA. Der Weltfußballverband beobachtet die Vorgänge in Linz mit Argusaugen.

 

Wieland geht das nocht gut?

Die Possen rund um den Verein legen die Vermutung nahe, dass es intern nicht immer allzu harmonisch zuzugehen scheint. Dies zeigte sich auch beim Abschied von Ex-Coach Dominik Talhammer. Im Fokus stand dabei Co-Trainer Andreas Wieland. Der 38-Jährige, so Stimmen aus dem Verein, soll die Vereinsführung auf Versäumnisse Talhammers hingewiesen haben. Wieland selbst beschrieb das Verhältnis zu Talhammer bei Laola1 so: "Harmonie wäre vielleicht übertrieben, aber es war ein intaktes Verhältnis." Wie Ex-Krone-Sportchef Peter Linden vermeldete, soll dem auch schon bei Talhammers Vorgänger Ismael so gewesen sein.  Auch bei dessen Abgang stand er im Vordergrund. Er sei damals "das Bauernopfer" gewesen. "Wenn der Berater (Ismaels, Anm.) ein PR-Mensch ist, dann kann so etwas passieren", so der Neo-Trainer. Nun steht Wieland selbst als Chefcoach an der Seitenlinie und hat die Chance, es besser zu machen als sein ehemaliger Chef.

 

Nur Fliegen ist schöner

Das bisher letzte Kapitel der Ereignisse wurde in den vergangenen Tagen geschrieben. Aufgrund fehlender Infrastruktur trägt der LASK seine Europacup-Heimspiele in Klagenfurt aus. Um sich die rund dreistündige Busfahrt zum Conference League-Duell mit Alashkert am vergangenen Donnerstag (4. November) zu ersparen, charterte man ein Flugzeug, um die knapp 250 Kilometer lange Strecke von Linz nach Klagenfurt in rund 30 Minuten bewältigen zu können. So habe man mehr Zeit zur Vorbereitung auf das Duell mit der WSG Tirol am kommenden Wochenende, wurde argumentiert. Zur gleichen Zeit jedoch diskutieren die 20 mächtigsten Regierungsverantwortlichen der Welt in Glasgow über die Rettung des Planeten. Freilich: Man muss die Kirche im Dorf lassen. Auch andere Teams legten bereits kurze Strecken per Flugzeug zurück. In der Außendarstellung hat sich der LASK hier aber erneut ins Fettnäpfchen gesetzt. Siegmund Gruber findet die Kritik am Vorgehen "unfair" und sieht seinen Club als Opfer einer Medienkampagne. Ein Schelm, wer dabei an den Rücktritt von Jürgen Werner denkt. Gekostet hat die Schose dem LASK übereinstimmenden Medienberichten zufolge rund 30.000 Euro. 

 

Fazit: Wer hoch steigt, kann auch tief fallen

Die Lage des LASK hat sich in den letzten Monaten deutlich verschärft. Die mühevoll hinzugewonnenen Sympathien des wieder aufstrebenden Traditionsclubs wurden zu großen Teilen leichtfertig verspielt. Nichtsdestotrotz zeigte sich der Verein, konkret Siegmund Gruber und die verbliebenen "Freunde des LASK", lern- und wandlungsfähig. Es wäre dem Fußball in Oberösterreich, aber auch im ganzen Land zu wünschen, wenn in und um den Verein Ruhe einkehren könnte. Dabei helfen würden natürlich sportliche Erfolge, diese blieben vor allem national bisher aus - der LASK liegt mit drei Punkten Rückstand auf Altach am Tabellenende. Eine Besserung der Gesamtlage wird aber nicht zuletzt davon abhängen, wie transparent der LASK mit sich selbst, den internen Vorgängen und der Öffentlichkeit umzugehen vermag und ob man bereit ist, seine eigenen Fehler zu sehen und daraus zu lernen. Viel zu oft setzte man sich aus scheinbarer Verblendung durch die vielen Erfolge unnötig ins Fettnäpfchen. Siegmund Gruber & Co sollten sich einem Umstand bewusst sein, den ein Zitat von Bernd Mai auf den Punkt bringt: "Wer hoch steigt kann auch tief fallen. Nur runter geht es meistens schneller!"

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