Stefan Rakowitz: "Vielen fehlt das Bewusstsein"


"Das ist speziell in Österreich nicht selbstverständlich", sagt Stefan Rakowitz mit dem für ihn typischen Glänzen in den Augen, wenn man mit ihm über seinen Beruf als Fußballprofi spricht. Der burgenländische Mittelfeldspieler hat es geschafft, sich den Traum vom Profikicker zu erfüllen.

Nach vielen "Lehrjahren" bei Clubs aus der zweit- und dritthöchsten Spielklasse hat er vor zwei Jahren den Sprung zum Traditionsclub Wacker Innsbruck geschafft. Seither hat er 47 Spiele für die Tiroler absolviert, in denen ihm zehn Tore und zwei Vorlagen gelangen. Seit November jedoch setzt ihm eine hartnäckige Schambeinentzündung zu. Nachdem er im Spiel gegen Rapid Wien wieder 90 Minuten absolvieren konnte, musste er zuletzt gegen die Admira aus Mödling wieder auf der Tribüne Platz nehmen. "Das war wohl etwas zu viel an Belastung, der Knorpel macht Probleme", erzählt der 29-Jährige mit etwas zerknirschtem Gesichtsausdruck. Der sich aber umgehend wieder legt - denn Stefan Rakowitz ist ein Kämpfer. "Es dauert nach einer so langen Zeit eben ein wenig, bis sich der Körper wieder an die Belastung gewöhnt", richtet er seinen Blick sofort wieder nach vorne. Sein fußballerischer Werdegang untermauert dies.

 

Vom kleinen Pinkafeld in die große Fußballwelt

 

"Rako", wie ihn seine Freunde nennen, stammt ursprünglich aus dem malerischen Pinkafeld, welches an der Grenze zwischen Burgenland und Steiermark liegt. Dort hat für ihn auch alles begonnen. Im Grundschulalter besuchte er hier mit seiner Familie die Spiele seines Vaters, der für den SC Pinkafeld aktiv war. "Meistens habe ich davon aber nicht viel mitbekommen, weil ich mit meinem Bruder und meinen Freunden auf dem Trainingsplatz selbst gespielt habe", verrät der flinke Außenbahnspieler mit einem Lächeln. Eine Karriere als Fußballprofi war schon damals das große Ziel: "Ich könnte mich jedenfalls nicht erinnern, dass ich jemals einen anderen Berufswunsch im Sinn gehabt hätte. Es hat sich ja auch relativ schnell abgezeichnet, dass bei mir ein gewisses Talent vorhanden ist."

 

"Was tue ich wenn nichts kommt?"

 

Man sieht Stefan Rakowitz seine Einstellung zum Fußball geradezu an. Er strahlt ein starkes Bewusstsein für dieses Privileg aus und tut alles für den sportlichen Erfolg. Dass der Fußball nicht nur Sonnenseiten zu bieten hat, weiß der Burgenländer auch: "Das schlimmste ist, wenn du keinen Verein hast". Dieses Gefühl kennt er aus eigener Erfahrung: "Wenn du dann ins Camp für arbeitslose Fußballprofis („AMS-Camp“, Anm.) gehen musst ist das natürlich nicht schön. Ich habe diese Situation ja selbst erlebt und das wünsche ich keinem Spieler", beschreibt "Rako" diese Situation, in der Profis häufig am Scheideweg ihrer Karriere stehen. "Da hängst du wirklich total in der Luft, das Camp dauert ja dann auch nicht ewig. Es ist sehr unangenehm, wenn du dann wartest, ob noch etwas kommt oder nicht." Dann stünde man, so Rakowitz, vor einer entscheidenden Frage: "Was tue ich wenn nichts kommt?"

Bild: Steindy/wikimedia/CC BY-SA 3.0
Bild: Steindy/wikimedia/CC BY-SA 3.0

Dass es mit der Laufbahn als Profi schnell vorbei sein kann, weiß er spätestens seit dem Aufenthalt dort. Damals hatte Rakowitz gerade seine erste und bis vor kurzem einzige Bundesliga-Saison beim SC Wiener Neustadt hinter sich. Am Ende der Spielzeit trennte sich der Club von ihm und er stand ohne Vertrag da. Plötzlich fand er sich beim SC Ritzing in der Regionalliga Ost wieder. Doch es würde nicht seinem Naturell entsprechen, hätte Stefan Rakowitz aufgegeben. Nur ein Jahr später kam ein Angebot von Zweitligist SV Horn und er schaffte den Sprung zurück ins Profigeschäft. Doch auch dort sollte es ihn nur eine Saison halten. Im Jahre 2016 folgte dann die Rückkehr zum SC Wiener Neustadt. Nach zahlreichen starken Leistungen wurde Wacker Innsbruck auf ihn aufmerksam und verpflichtete den beidfüßigen Mittelfeldspieler, um mit ihm gemeinsam in der Saison 2017/2018 die Rückkehr in die Bundesliga zu schaffen.

 

Gedanken an die Zeit nach dem Fußball

 

Für Stefan Rakowitz ist das Thema "Karriere danach" von großer Bedeutung. In beinahe jeder seiner Aussagen kommt er in irgendeiner Form darauf zu sprechen. Da verwundert es nicht, dass er bereits selbst vorgesorgt hat. Derzeit absolviert der 29-Jährige ein Fernstudium, um sich auf die Zeit nach der Karriere vorzubereiten. "Ich habe mich für ein Fernstudium entschieden, weil ich hier ich viel online machen kann. So bin ich ungebunden und kann von überall aus studieren", streicht er die Vorteile der Ausbildung hervor. Zudem hat er bereits im Frühjahr 2016 den Diplom-Lehrgang Sportmanagement in der Bundesliga-Akademie erfolgreich abgeschlossen.

 

Denn geht es nach dem technisch beschlagenen Flügelspieler, muss sich hinsichtlich Zukunftsvorsorge im Profifußball zukünftig noch so manches verändern. "Viele Fußballer haben noch nicht das Bewusstsein dafür, dass sie für die Zeit nach der aktiven Laufbahn etwas tun sollten", zeigt er sich besorgt. "Ich denke, die VdF (Spielergewerkschaft "Vereinigung der Fußballer", Anm.) hat ganz gute Kooperationen in viele Richtungen. Ich glaube aber auch, dass es bei den Spielern noch zu wenig ankommt, man hört nicht sehr oft davon", würde sich "Rako" noch mehr an Initiative seitens der Gewerkschaft wünschen.

 

 

"Muss man sich überlegen, ob man überhaupt noch Profi werden will"

 

Die Zukunft des Profifußballs in Österreich sieht Rakowitz eher ambivalent. "Ich denke, dass es den Profifußball dann vielleicht nicht mehr in dieser Form geben wird", antwortet er auf die Frage, wo er den heimischen Fußball in 20 Jahren sieht. Tatsächlich kämpfen viele Clubs darum, den Profibetrieb aufrecht erhalten zu können. Bei Vereinen wie Austria Lustenau, dem FAC oder dem SV Kapfenberg wird dies Jahr für Jahr zu Gratwanderung. "Viele Leute glauben ja, dass man in Österreich als Fußballer richtig gut verdient. Ich weiß nicht woher das kommt. Wenn sich die finanziellen Möglichkeiten im Fußball in Zukunft noch ein wenig verringern, dann muss man sich überlegen, ob man überhaupt noch Profifußballer werden will", meint der Südburgenländer mit nachdenklicher Miene.

 

Dass alles auch ganz anders kommen kann, wenn plötzlich - wie in anderen Länder schon geschehen - ein großer Geldgeber ante portas steht, ist seiner Ansicht nach aber ebenso nicht von der Hand zu weisen. "Es kommen ja auch immer wieder Sponsoren aus dem Ausland, vielleicht aus dem asiatischen Raum oder woher auch immer, die jetzt eine Idee haben und in einen heimischen Verein investieren wollen. Beim SV Horn (mit der Honda-Familie, Anm.) war das ja der Fall, dort hat es leider nicht so funktioniert", will er auch diese Möglichkeit nicht ausschließen.

 

Er selbst jedenfalls hofft auf eine positive Zukunft für seinen Sport: "Ich persönlich hoffe schon, dass es wieder ein wenig nach oben geht, weil der Traum vom Fußballprofi sonst womöglich dahingestellt ist."

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