Mentaltraining - ein unterschätztes Mittel zum Erfolg


Mentaltraining ist im heimischen Spitzenfußball nach wie vor kaum von Bedeutung. Nur sehr wenige Clubs setzen auf dieses Mittel. Doch warum ist dem so? Welchen Effekt hat Mentaltraining auf dem Weg zum Erfolg? Und was ist Mentaltraining eigentlich genau? Diesen Fragen gehe ich in meinem Blogbeitrag Nummer vier nach.

 

Mentaltraining als Schlüssel 

 

Um zu verstehen, worum es beim mentalen Training eigentlich geht, ist es hilfreich diese Form des Trainings zu definieren. Mir gefällt in diesem Zusammenhang die Definition von mentaltrainers.at sehr gut:

 

"Mentaltraining ist eine Gedanken- Disziplin. Mentaltraining ist, bewusst auf seine Gedanken zu achten. Mentaltraining bedeutet das gegenwärtige Denken zu kontrollieren. Mentaltraining ist auch die Zusammenfassung vieler bestehender Methoden mit dem Ziel, dass Menschen ihr Leben erfolgreich leben."

 

Mentaltraining beschäftigt sich also mit der Erweiterung der geistigen Leistungsfähigkeit durch regelmäßiges Üben. Der profilierte Mentalcoach Wolfgang Seidl sieht in der mentalen Arbeit einen bedeutenden Schlüssel zum Erfolg:"Jede Handlung wird immer von einem mentalen Prozess begleitet", erklärt der ehemalige Leistungssportler. "Wenn Spieler diese mentalen Prozesse BEWUSST beeinflussen und zielgerecht einsetzen und nicht dem Zufall überlassen, dann kommt am Ende eine bessere Leistung heraus!"

 

 

"Train your mind like you train your body"

 

Der Einsatz eines Mentaltrainers kann im Fußball über Sieg oder Niederlage entscheiden. Denken wir zurück an die Frauenfußball-WM 2017, als die heimische Elf um Nina Burger und Victoria Schnaderbeck als Turnier-Neuling sensationell ins Halbfinale stürmte. Immer an der Seite des Teams: Sportpsychologin Mirjam Wolf. "Sie hat auf jeden Fall großen Anteil am Erfolg", meinte damals Defensivspielerin Sarah Puntigam. Schon Jahre zuvor begann Trainer Dominik Talhammer neben Taktik und Fitness auf das Mentaltraining als dritte Säule zu setzen. "Es ist genauso wichtig wie das Training am Platz", strich Talhammer die Bedeutung hervor. Besonders treffend ist auch ein Zitat des amerikanischen Zehnkampf-Olympiasigers Bruce Jenner: “You have to train your mind like you train your body."

 

"In einem Fußballspiel ist nicht immer alles planbar, aber jeder kann lernen, auch in herausfordernden Situationen seine eigene Leistung bewusst zu steuern und Leistung auf den Punkt abzurufen", so Wolfgang Seidl. Dies sei nur möglich "wenn auch der Kopf professionell trainiert wird", bringt er es auf den Punkt.

 

Er erklärt auch anhand einer einfachen Formel, warum Mentaltraining in der Praxis die Leistung eines jeden Spielers und einer Mannschaft steigern kann:

 

Leistung = Potential – Störfaktoren

 

"Jene Spieler, die es schaffen, diese Störfaktoren - sowohl von außen als auch von innen - auf ein Minimum zu reduzieren, werden am Ende eine höhere Leistung bringen. Eine Mannschaft, welche mit elf Spielern auf dem Platz steht profitiert davon umso mehr", erklärt der ehemalige Teilnehmer des Ironman Hawaii. 

 

Die meisten heimischen Clubs setzen wenig bis gar nicht auf Mentaltraining. Dass ein Verzicht auf die Arbeit mit einem Mentaltrainer die Leistungssteigerung hemmt ist bei vielen Entscheidungsträgern noch nicht angekommen. In Zeiten wie diesen werden die Spieler zunehmend zu gläsernen Athleten, der Leistungsdruck und die äußeren Einflüsse steigen immer mehr, doch Körper und Geist haben ihre natürlichen Grenzen. Dennoch ändert sich in der österreichischen Fußballlandschaft dahingehend nur langsam etwas. Doch kann ein solcher Verzicht auch ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen, wie zahlreiche prominente Beispiele beweisen.

 

"Wenn ich nicht mehr konnte, war ich verletzt"

 

Welche ernsthaften Auswirkungen die hohe Erwartungshaltung an einen Sportler haben kann, zeigte in der jüngeren Vergangenheit das Beispiel von Per Mertesacker. Der deutsche Weltmeister erzählte in einem Interview mit dem Spiegel, wie er beinahe an dem von außen auferlegten Druck zerbrochen wäre. "Irgendwann realisierst du, dass das alles eine Belastung ist, körperlich und mental", erzählte Mertesacker dem deutschen Nachrichtenmagazin. „Dass es null mehr um Spaß geht, sondern dass du abliefern musst, ohne Wenn und Aber. Selbst wenn du verletzt bist."

 

Der Ex-Arsenal-Legionär offenbarte in jenem Interview, dass er Verletzungen nur selten wirklich auskurierte und spielte bis es absolut nicht mehr möglich war. "Wenn ich nicht mehr konnte, war ich verletzt, so war es immer. Ich behaupte sogar, dass viele wiederkehrende Verletzungen psychisch bedingt sind. Dass der Körper der Seele damit zu Ruhe verhilft. Aber das hinterfragt niemand."

 

Eines möchte ich an diesem Punkt klar festhalten: Profisportler sind - genau wie alle anderen - Menschen aus Fleisch und Blut. Sie trinken das gleiche Wasser und atmen die selbe Luft wie wir alle. Mir dreht sich der Magen um, wenn ich in den sozialen Medien Kommentare lese, in denen Phrasen wie "für das Geld muss er das aber aushalten" oder "dann hätt' er halt nicht Fußballer werden sollen" geschrieben stehen. Der Fall Robert Enke sollte hier als warnendes Beispiel dienen. Die Tatsache, dass viele Profis (sehr) gut bezahlt werden, macht sie nicht zu empfindungslosen Leistungsmaschinen. Daran hat auch die Darstellung des Profisportlers in den Medien ihren gewichtigen Anteil. Ein Fakt, dem ich zu gegebener Zeit womöglich noch nachgehen werde.

 

Klischeehaftes Vermeidungsverhalten

 

Doch woran liegt es, dass in Österreich kaum ein Verein auf diese nicht nur leistungsoptimierende sondern auch gesundheitsfördernde Maßnahme setzt?Vielerorts herrscht bei den Führungsriegen der Clubs noch der klassisch österreichische Glaubenssatz "des hamma früher a net braucht". Chris Anderson von der New Yorker Cornell Universität fand eine sehr treffende Formulierung für diesen Umstand: "Der Fußball klammert sich an Dogmen. Der Sport wird von Männern bestimmt, die ihre Kompetenzen nicht gerne von Außenseitern in Frage stellen lassen wollen. Sie wollen sich nicht sagen lassen, dass sie vielleicht etwas übersehen haben. Dass es ein Wissen gibt, das ihnen fremd ist. Dass man es nicht so machen muss, wie sie es schon immer gemacht haben. Fußball ist vorsätzlich ignorant." Dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist, welches sich nur ungern aus seiner Komfortzone herausbewegt, wird hier besonders deutlich.

 

Wolfgang Seidl meint dazu: "Ich kann es persönlich nicht nachvollziehen, warum Vereinsverantwortliche noch nicht verstanden haben, dass der Kopf die Steuereinheit ist und in jedem Match über Sieg und Niederlage entscheidet." Durch diese Ignoranz würde dem Fußball viel Professionalität vorenthalten. Ihn stimme aber positiv, dass "die jüngere Generation für mentales Training viel offener ist."

 

Imageproblem und falsche Ansätze

 

Dass viele Clubs nach wie vor nicht auf Mentaltraining zurückgreifen hat auch mit dem bis vor einigen Jahren ramponierten Ruf der Sparte zu tun. "Wir müssen uns bewusst sein, dass in den vergangenen Jahren oft auch unprofessionelle Leute in diesem Bereich viel am Ansehen der mentalen Arbeit kaputt gemacht haben. Ich erinnere mich an selbsternannte „Gurus“ und Motivationsexperten, wo Vereine noch immer die Hände zusammenschlagen, wenn sie auf diese angesprochen werden", erläutert Experte Seidl. Der aber klarstellt: "Faktum ist, wenn mentale Arbeit wissenschaftlich fundiert von Experten angewandt wird, dann profitiert der Verein zu hundert Prozent!"

 

Ein weiterer Grund ist, dass, wenn Vereine dann doch auf mentales Training setzen wollen, diese oftmals einen falschen Weg beschreiten. Markus Hornig ist Mentalcoach des Deutschen Frauen-Fußballnationalteams. Er stellte fest, dass die meisten Sportler bei Problemen im mentalen Bereich zu einem Psychologen geschickt würden, doch "viele Psychologen kommen gar nicht aus dem Sport und können sich so nur beschränkt in die Situation der Spieler hineinversetzen. Das führt unterbewusst zu geringer Akzeptanz bei den Athleten", wie Hornig im Interview mit 1x1sport.de erzählt. Auch diese Tatsache trägt also dazu bei, dass Mentaltraining in heimischen Gefilden noch keine ausgedehnte Anerkennung gefunden hat.

 

Mit Rapid Wien gibt es auch ein österreichisches Beispiel für einen suboptimalen Ansatz, wie Wolfgang Seidl herausfand: "Bei meiner letzten Recherche 2018 für einen Fußball-Beitrag wurde mir von Rapid bestätigt, dass sie einen Sportpsychologen angestellt haben. Dieser muss sich allerdings um sämtliche Spieler, angefangen von der Akademie über die zweite Mannschaft bis zum Bundesliga-Team kümmern. Zusammengerechnet muss er, von der U16 bis zur Kampfmannschaft, knapp 100 Spieler betreuen. Wie intensiv da wirklich mit jedem einzelnen Spieler gearbeitet wird, kann sich jeder selbst ausmalen."

 

Lösen könne man dieses Problem durch den Einsatz eines eigenen Ansprechpartners für die Profi-Abteilung, welcher sich "um die mentale Entwicklung der Spieler und Trainer kümmert." Dazu sei einerseits sehr viel individuelle Arbeit mit jedem einzelnen Spieler notwendig, wie auch die Teamentwicklung. "Aus Studien wissen wir, dass es im Profi-Fußball allgemein kennzeichnend ist, dass bei Mannschaften oft keine hohe Teamorientierung vorhanden ist", so Seidl. 

 

Die Gründe, weshalb die Mentalbetreuung der heimischen Fußballclubs noch immer ein sehr stiefmütterliches Dasein fristet, sind also vielschichtig. 

 

Doch im Fußball hat sich in den letzten Jahren enorm viel verändert. Das Spiel wurde schneller und kraftbetonter. Einflüsse von außen nehmen zu, beispielsweise durch die sozialen Medien. Dort wird jeder Fehltritt eines Spielers sofort kommentiert und Spieler müssen diesem Druck standhalten. "Vereine und Spieler, die auf diese Veränderung nicht reagieren, werden auf der Strecke bleiben", ist sich Mentalcoach Seidl sicher.

 

Zusammenfassend lässt sich damit - nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Kosten-Nutzen-Rechnung - sagen, dass der Einsatz eines qualifizierten Mentalbetreuers mit Sicherheit höchst rentabel sein kann.  Es ist dem heimischen Kick zu wünschen, dass sich dieses Wissen auch bei den Damen und Herren an den Schalthebeln der Clubs bald durchsetzt.

 

Ich bedanke mich herzlich bei Mentalcoach Wolfgang Seidl für die Unterstützung bei diesem Blogbeitrag! Nähere Infos zu ihm findet ihr unter dem Beitrag.

 

Ich verneige mich und danke für Eure Aufmerksamkeit,

 

Euer

René Mersol


Wolfgang Seidl ist selbstständiger akademischer Mentalcoach mit einer Praxis in Wien und in der Oststeiermark.

Er bringt langjährige Wirtschafts-Erfahrung mit, war selbst erfolgreicher Leistungssportler (unter anderem 4bester Österreich beim Ironman Hawaii) und ist heute Mentalcoach von Sportlern/Mannschaften, Führungskräften und Unternehmen.

Der Schwerpunkt seiner Arbeit mit Fußball liegt einerseits in der mentalen Betreuung von SpielerInnen sowie im mentalen Coaching und in der mentalen Beratung von Fußballmannschaften.

MANA4YOU
Wolfgang Seidl, MBA
Akademischer Mentalcoach
Dipl. Lebens- und Sozialberater
HeartMath®Coach

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